Einleitung

Dies ist das zweite Drupal-Buch, das ich schreibe. Das erste Buch behandelte Drupal in der Version 4.7, und in der damaligen Einleitung habe ich erwähnt, dass das Buch in drei Dörfern entstanden ist. Mit einem dieser Dörfer war die Community des Projektes Drupal gemeint.

Mittlerweile sind fast drei Jahre vergangen. Ich wiederhole das noch mal: drei Jahre!

In der Internetbranche sprechen viele Menschen bei einem Zeitraum von mehr als drei bis sechs Monaten von den „good old days“. Was sagt man nur zu einem fast drei Jahre alten Buch? Smiling

Sie merken schon, es hat sich etwas verändert.

In den letzten drei Jahren ist die Entwicklung rund um Drupal explodiert. Von dieser Community als einem Dorf zu sprechen trifft den momentanen Zustand vermutlich nicht. Es kommt mir momentan eher wie eine globale Drupal-Urbanisierung vor, aber dazu später mehr.

Bei mir hat sich ebenfalls eine Menge verändert. Aus verschiedenen Gründen wie beispielsweise dem fehlenden DSL-Anschluss haben wir unser verträumtes Ausleben in Sachsen-Anhalt verlassen und wohnen jetzt in Fitou. Das ist wieder ein Dorf, diesmal aber in einem anderen Land. Es liegt in der Nähe von Perpignan in Frankreich und verfügt über so ziemlich alles, was man als virtuelle Firma benötigt (ADSL, UMTS, EDGE). Außer diesen technischen Dingen gibt es auch zahlreiche andere Vorteile (Menschen, Wetter, Essen, Wein, Meer, Berge, ...).

Nun aber zurück zu Drupal.

Durch die fortschreitende Technik ist es seit Längerem möglich, dörfliche Strukturen zu virtualisieren. Die virtuellen Beziehungen zwischen Menschen untereinander, Inhalten und Firmen werden immer wichtiger. Eine Firma wie eBay weiß mehr über die Vorlieben ihrer Marktplatzbenutzer, als es jeder reale dörfliche Klatsch jemals in Erfahrung bringen könnte.

Ein solches technisches, virtuelles Dorf ist „skalierbar“. Wenn die Zutaten und die Mischung stimmen, wächst ein virtuelles Dorf exponentiell. In der letzten Zeit waren es unter anderem die webbasierte Community MySpace1, die Videoplattform YouTube2, die 3D-Welt Second Life3 und natürlich Facebook4. Das Verbindende bei all diesen Beispielen ist die gute Idee, die richtige Zeit, die richtige Technik, jede Menge Wagniskapital, ein „Händchen“ für die Dinge und ein wenig Glück.

Soweit hat sich nichts am klassischen Geschäftsmodell geändert, aber:

In diesem Fall geben die Projekte allerdings nur einen Rahmen, ein Framework vor. Die Inhalte kommen von den Benutzern.

Immer wenn solche Hypes in Erscheinung treten, geht einen Raunen durch die globale Geschäftswelt.

  • Was ist das?

  • Ist es seriös?

  • Hat es ein irgendwie geartetes Geschäftsmodell?

  • Können wir am Erfolg teilhaben?

Und wenig später dann:

  • Wir wollen das auch haben!

  • Lasst es uns mit unseren Produkten verknüpfen!

  • Wo gibt es Menschen, die so etwas bauen können?

Plötzlich wollte (und will) jeder ein Videoportal, eine Community, Podcasts etc.

Drupal hat sich in den letzten Jahren als die Software erwiesen, mit der man in angemessener, um nicht zu sagen, in kürzester Zeit solche Anwendungen erstellen kann.

Drupal hieß früher (vor sieben Jahren!) mal Dorp (Dorp ist das niederländische Wort für Dorf). Es ist eine Software, die ein gemeinsames Bearbeiten und Veröffentlichen von Inhalten im Internet ermöglicht. Das Entscheidende dabei ist, dass es den Benutzern leicht gemacht wird, Inhalte zu erzeugen und Verbindung untereinander aufzunehmen. Drupal ist beliebig erweiterbar, und es gibt kaum ein Szenario auf einer Website, das mit Drupal nicht umsetzbar ist. Ich schreibe jetzt hier bewusst das Wort „kaum“, um nicht zu sehr in Superlative zu verfallen. Zumindest mir selbst ist noch kein Szenario untergekommen, das nicht mit Drupal lösbar gewesen wäre. Aber es gibt bestimmt ein paar Fälle Smiling

Das klingt alles so schön und so einfach. Es scheint, als sei Drupal genau das, was die „User Generated Content“5 Industrie gerade braucht.

Heute heißt das Projekt nicht mehr Dorp, hat aber seinen im positiven Sinne dörflichen Charakter beibehalten, auch wenn die Anzahl der Dorfbewohner und die der damit erstellten Dörfer in die hunderttausende geht. Ich wohne heute in sehr vielen Drupal-Dörfern. Ein paar davon habe ich sogar selbst gebaut.

So ein virtuelles Dorf ist der Katalysator für Kommunikation, Kreativität und Geschäfte in der realen Welt oder, um es klarer zu sagen: Es ist die absolute Basis, die Zielgruppe seiner Produkte ansprechen zu können und zum Handeln zu bewegen, sprich Geld zu verdienen, Mitarbeiter zu motivieren (Unternehmen) oder Einfluss zu gewinnen (Kampagnen bei NGO, Wahlkämpfe)!

Wie kam es nun zu diesem Buch?

Im Januar 2007 wurde Drupal in der Version 5.0 veröffentlicht. Es hatte wirklich alles, was Benutzern die Freudentränen in die Augen treibt. Ein eigenes YouTube? Kein Problem. Ein MySpace-Portal? Kein Thema. Auch ich war begeistert und beschloss, ein Video-Training aufzunehmen. Während der Aufnahme baute ich live eine Web 2.0 Website. Mit echten Benutzern, echten Inhalten, echten Kommentaren, echten Videos etc.

Das Buch, das Sie jetzt in Händen halten, behandelt Drupal in der Version 6, also eine Generation und fast 2 Jahre später. Im Drupal-Land hat sich eine Menge verändert, und Vieles ist in der neuen Version wesentlich eleganter gelöst. Jetzt hat Drupal den richtigen Weg in die Zukunft eingeschlagen, und es wird Zeit für ein Buch, das die Zusammenhänge erklärt.

Worum geht es in diesem Buch?

Es geht um die Erstellung einer Website, die Elemente enthält, die für Unternehmen und für den Aufbau von Communitys wichtig sind. Dabei geht steht das gemeinsame Verwalten von Inhalten mit der Open Source-Software Drupal im Vordergrund. Das umfasst die Geschichte, die Installation, die Bedienung und die Erweiterung des Systems.

Sie werden das Projekt Drupal von vielen Seiten kennen lernen und sicherlich so schnell nicht mehr loslassen.

Für wen habe ich dieses Buch geschrieben?

Für alle Menschen, die sich für Content Management, Community Building und Social Software interessieren, selbst aktiv werden wollen oder im Begriff sind, eine Agentur mit einem solchen Projekt zu beauftragen. An dieser Stelle kann ich auch endlich das Buzzword Web 2.06 fallen lassen, das für manche schon wieder ein alter Hut ist, für die Mehrzahl der Menschen und Firmen aber gerade erst richtig beginnt.

Sie benötigen keinerlei Kenntnisse über Programmierung, um die Beispiele in diesem Buch nachvollziehen zu können.

Falls Sie schon mal zaghaften Kontakt mit Dingen wie Linux, Windows, OSX, HTML, CSS, JavaScript, PHP, FTP, MySQL und vielen anderen Akronymen hatten, werden Sie sich schnell wohlfühlen. Wenn Sie noch niemals auch nur ansatzweise von diesen Dingen gehört haben ... hm ... ich bin fest davon überzeugt ... auch dann hilft Ihnen dieses Buch dabei, Internettechnologien besser zu verstehen.

Das wirklich Interessante in diesem Zusammenhang sind die Strukturen von Drupal, die eine unendliche Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten abbilden können.

Ich habe noch kein Problem in Bezug auf Websites gefunden, das sich mit Drupal nicht lösen lässt!

Warum überhaupt ein Buch?

Wenn man über Open Source-Software schreibt, beschreibt man Dinge und Zusammenhänge, die für jeden Menschen öffentlich zugänglich sind.

Als Anfänger, Umsteiger, Neugieriger oder auch Kunde, Entscheider, Programmierer, Redakteur, Politiker haben Sie meist nicht die Zeit, sich in komplexe Anwendungen wie Drupal, Typo3, Ruby, Alfresco oder welches System auch immer gerade angesagt ist einzuarbeiten und mal eben XHTML, CSS, PHP, XMLRPC und diverse andere spezifische Standards zu erlernen, um sich mit diesem Wissen die Informationen aus dem Internet zusammenzusuchen.

Hier finden Sie einen fundierten Einstieg in die Materie, den Sie in verhältnismäßig kurzer Zeit absolvieren können.

Wenn Sie hoch geheimes Insiderwissen in diesem Buch suchen, liegen Sie falsch. Alles, aber auch wirklich alles, was Sie in diesem Buch finden, ist irgendwo im Internet verfügbar, zumindest in Ansätzen und meist in englischer Sprache.

Und Drupal funktioniert wirklich?

Der Fachlektor dieses Buches, Peter Müller, hat sehr erfolgreiche Bücher über CSS geschrieben7 und wacht jetzt über die technischen Zusammenhänge in diesem Buch. Er hat alles ausprobiert, was in diesem Buch beschrieben wird, und er hat mir versichert, es hat alles geklappt!

In diesem Zusammenhang ein Wort zur wohl bekanntesten Agentur in Sachen Drupal, Lullabot8. Auch Lullabot gab es bei Erscheinen meines ersten Drupal-Buches noch nicht. Diese Agentur ist ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit von Community und Geschäftsinteressen. Lullabot beteiligt sich aktiv an der Entwicklung von Drupal, ohne das Projekt in eine bestimmte Richtung zu drängen. An dieser Stelle also gleich ein wenig Werbung für „Friendly Expert Drupal Consulting“. Bisher gibt es 58 Lullabot-Podcasts, die die Neuigkeiten aus Drupalland in englischer Sprache in die Welt tragen. Hören Sie mal rein9. Es gibt viele Agenturen, die dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und nicht nur nehmen, sondern auch geben. Dieses Verhalten ist bei Gewinn orientierten Firmen eher selten, und es zeigt, dass das Drupal Community System funktioniert. In diesem Zusammenhang möchte ich aber auch auf die vielen anderen Agenturen hinweisen, ohne die die Entwicklung von Drupal in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen wäre10.

Und im deutschsprachigen Raum?

Ja, in Deutschland ist das so eine Sache. Fragen Sie mal Blogger, die seit mehr als 5 Jahren ein Weblog betreiben. Manche Ideen und Projekte werden in Deutschland sehr gern aufgenommen, andere finden scheinbar gar nicht statt. Der deutschsprachige Raum unterscheidet sich in seinen Vorlieben oft sehr vom Rest der Welt. Jahrelang war die deutsche Drupalszene etwa so groß, dass sie sich bequem zu einem Grillabend hätte treffen können. Heute dagegen kommen die meisten Zugriffe auf die drupal.org-Website aus dem deutschsprachigen Raum.

Mit drupalcenter.de11 hat sich ein Anlaufpunkt für die deutsche Community gebildet. Hier gibt es Podcasts, Tutorials und ein lebendiges Forum in deutscher Sprache.

Täglich entstehen neue professionelle Drupal-Websites in Deutschland, und vielleicht findet ja auch mal eine Drupal-Konferenz in Deutschland statt.

Grund genug, dass Sie sich mit dem Phänomen Drupal mal näher beschäftigen.

So viele Links!

In den Fußnoten zum Text werden Sie viele Links finden. Sie müssen diesen Links natürlich nicht folgen, wenn sie aber Spaß an dem einen oder anderen Thema bekommen, können Sie auf den angegebenen Websites weitere interessante Informationen finden.

Und ohne Internetzugang?

Auch kein Problem. Auf der CD zum Buch ist alles enthalten, was in diesem Buch an Software vorkommt. Ok, die Betriebssysteme Microsoft Windows Vista und Apple MacOSX durften wir natürlich nicht beilegen, der Rest findet sich aber schon auf der CD, so dass Sie alle Beispiele in diesem Buch sofort auf Ihrem Computer nachvollziehen können.

Und was will der Autor?

Ich freue mich, wenn Sie durch dieses Buch einen Weg in die wunderbare Drupal-Welt finden, wenn Sie nach der Lektüre in der Lage sind, eine Entscheidung über Ihr Verhältnis zu Drupal zu treffen und bei Unklarheiten die richtigen Fragen stellen können. Besonders freuen würde ich mich, wenn Sie sich in der deutschen und/oder der internationalen Drupal-Community engagieren oder Ihre Website in der Zukunft mit Drupal betreiben. Sie wären in guter Gesellschaft!

Vielleicht sehen wir uns ja mal auf einer der nächsten Drupal-Konferenzen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß!

Hagen Graf

 


 

 

 

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