1.3 Die Geschichte von Drupal

Vor dem Hintergrund der Dynamisierung des Web entstand Drupal.

1.3.1 Vom Dorp zu Drupal

Weil im Jahre 2000 High-Speed-Internetzugänge nicht so verbreitet waren wie heute, wurden diese Zugänge als Prämie von der Universität von Antwerpen an ihre Studenten vergeben. Hans Snijder hatte so einen Zugang und richtete gemeinsam mit Dries Buytaert ein drahtloses Netz ein, um seinen Zugang mit anderen zu teilen. Acht Studenten, die auch gemeinsam Kurse besuchten, teilten sich schließlich diesen Zugang und waren für damalige Verhältnisse bezüglich der Anbindung an das Internet in einer sehr luxuriösen Situation. Sie stellten allerdings schnell fest, dass es kein brauchbares Programm gab, um einfache Dinge zu besprechen, Dateien gemeinsam zu nutzen und gemeinsam an etwas zu arbeiten.

Das brachte Dries dazu, eine kleine Website zu erstellen, die es der Gruppe ermöglichte, Nachrichten zu hinterlassen. Es waren einfache Nachrichten wie Verabredungen zum Essen, der Status des Universitätsnetzwerks oder andere Dinge, die in einem Studium wichtig sind.

Dries beendete irgendwann sein Studium und verließ die Universität von Antwerpen. Die Software hatte bis dahin keinen Namen und lief lokal im Universitätsnetz. Um in Kontakt zu bleiben und weiterhin Nachrichten und Interessantes aus ihrem Leben austauschen zu können, beschloss die Gruppe, die Anwendung online fortzuführen. Man einigte sich auf den Domainnamen dorp.org, und Dries sollte ihn reservieren. Dorp ist niederländisch und bedeutet Dorf. Dries verschrieb sich allerdings bei der Reservierung und tippte drop.org ein. Dann stellte er fest, dass dorp.org bereits vergeben war. Weil drop.org noch verfügbar war und ihm der Name gefiel, reservierte er ihn, und das Projekt hieß ab diesem Zeitpunkt Drop! So viel zum Thema Demokratie in virtuellen Gemeinschaften.

Nachdem die Website drop.org online war, änderten sich die Themen in Richtung Webtechnologien, Bewertungssysteme, verteilte Anmeldeprozeduren, Moderationstechniken und in Richtung des Problems der Zusammenführung von Inhalten auf einer Website. Die Seite selbst entwickelte sich zum Experimentierfeld, und die Diskussionen und Ideen wurden so weit wie möglich sofort von Dries in die Anwendung eingebaut und ausprobiert.

Am 15. Januar 2001 beschloss Dries, die Software hinter drop.org unter der Allgemeinen Öffentlichen GNU-Lizenz zu veröffentlichen. Die Idee dabei war, auch anderen die Möglichkeit zu geben, die Software selbst auszuprobieren und sie natürlich auch zu erweitern und weiterzuentwickeln. Diese Entscheidung war die wohl folgenreichste in der bisherigen Drupal-Geschichte.

Der Namenswechsel zu drupal ist kurios. Drop (deutsch: Tropfen) heißt auf Niederländisch Druppel, gesprochen: drüppel<!-- Vermutlich müsste "gesprochen: drüppel" die "normale" Formatierung haben, oder? -->. Da englischsprachige Menschen, wenn Sie das geschriebene Wort Druppel sehen, nicht wirklich auf die korrekte niederländische Aussprache kommen, kam es zu dem heute bekannten Namen Drupal, einer Art Lautschriftvariante.

Hier ein Video-Interview mit Dries, in dem er seine und die Geschichte von Drupal erzählt, aufgenommen in Vancouver im Februar 2006.10

1.3.2 Drupal und das Web 2.0

Die sieben Jahre zwischen der Freigabe des Drupal-Quellcodes und heute (Juni 2008) waren technisch gekennzeichnet durch eine Vielzahl von Ideen und Entwicklungen, denen aber oft etwas Entscheidendes zum Erfolg fehlte. Die Browser waren noch sehr unterschiedlich und konnten die modernen Standards wie CSS oft nicht komplett darstellen. Breitband-Internetanschlüsse waren nicht so verbreitet. Die Firmen mussten ihre Internet-Pleiten aus den vergangenen Jahren erst einmal verarbeiten.

Im Jahre 2004 stellte sich die Lage so dar, dass man alle Werkzeuge, die es gab, gern benutzte, aber keiner so recht wusste, wie das alles integriert werden sollte.

In diesem Moment kam Tim O’Reilly mit dem als Marketing-Begriff für eine Konferenz erfundenen Namen Web 2.011 auf den Markt.

Web 2.0 sollte die Weiterentwicklung des Webs symbolisieren und bestand aus den folgenden Prinzipien:

  • Der lokale Rechner wird ersetzt durch das Web als Plattform.

  • Inhalte haben eine größere Bedeutung als das Aussehen der Anwendungen.

  • Jeder sollte an diesem Web mitarbeiten und einfach Inhalte erstellen können.

  • Die Programmierung wird in Komponentenform stattfinden und zum Großteil Open Source-Software sein. Die Komponenten sind dann zu beliebigen Geschäftsmodellen kombinierbar.

  • Neue Geschäftsmodelle entstehen durch das verteilte, gemeinsame Nutzen von Inhalten und technischen Diensten.

  • Der klassische Softwarelebenszyklus ist tot. Eine Software wird nicht mehr fertig, sondern befindet sich immer in einem Beta-Stadium.

  • Web-Anwendungen sollen beliebig skalierbar sein und so die breite Masse ansprechen.

Was 2004 von vielen Leuten belächelt wurde, scheint heute genau so abzulaufen. Durch die Einbindung des Benutzers bei der Produktion von Inhalt war man wieder bei der ursprünglichen guten Idee angelangt, dass die Benutzer selbst publizieren. Plötzlich ergaben alle angesprochenen Technologien einen Sinn, und die Leute begannen eifrig, aus den vorhandenen Komponenten Web-Anwendungen zu schmieden, die sehr schnell erfolgreich wurden. Diese Anwendungen stellten folgende Anforderungen:

  • Die Anwendung muss mit einem durchschnittlichen Computersystem über einen Browser nutzbar sein.

  • Die einzelnen Seiten werden dynamisch erzeugt.

  • Benutzer können selbst Inhalte erstellen.

  • Rollen- und Rechtesysteme sorgen dafür, dass nur berechtigte Personen bestimmte Daten bearbeiten können. Benutzer können in Gruppen zusammengefasst werden.

  • Jeder Benutzer darf sich in einem „persönliches Profil“ selbst vorstellen und auf seine Website verweisen. Diese Daten können dann leicht von der Anwendung genutzt werden, um aus diesen Daten einen Mehrwert zu erzeugen12.

  • Der ganze Webauftritt kann eigenen Vorlieben angepasst werden (Farbe, Inhaltselemente).

  • Inhalte können kommentiert werden.

Drupal konnte und kann diese Anforderungen hervorragend abbilden und wird entsprechend gern in diesem Umfeld verwendet.

Der Begriff Web 2.0 ist sehr umstritten. Die Entwicklung der letzten drei Jahre gab O'Reilly aus meiner Sicht allerdings Recht mit seinen Annahmen.

Ein anderer Nebeneffekt ist, dass Web 2.0 Websites zur Orientierung und Wiedererkennung einen griffigen, globalisierungskompatiblen Namen, ein knackiges Logo und eine klare Mission benötigen. Der Name Drupal ist schon mal gut, wie sieht es mit dem Logo aus?

1.3.3 Drupals Logo: Das Druplicon

Unabhängig von Web 2.0, das im Jahre 2000 noch nicht entdeckt war, benötigte das Projekt natürlich ein Logo. Es sollte etwas mit Tropfen und Wasser zu tun haben. Zunächst war die Idee, einen einfachen Tropfen darzustellen, der etwas mit dem o im Wort drop zu tun hatte. Als sich immer mehr Benutzer registrierten und an den Diskussionen beteiligten, entstand nach und nach die Idee eines Tropfens mit einem Gesicht, ähnlich einer Comic Figur.

Kristjan Jansen hatte die Idee, zwei Tropfen auf die Seite zu legen und so an das mathematische Zeichen für Unendlichkeit (∞) zu erinnern. Diese unendlichen Augen sollen die unendlichen Möglichkeiten von Drupal symbolisieren.

Abbildung 1.1: Druplicon auf Flickr Smiling

Aus dieser Idee machte Steve Wittens das Druplicon (Abbildung 1.1): ein stilisierter Tropfen mit unendlichen Augen, einer runden Nase und einem schelmischen Lächeln13.

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